158 Gedanken, in der Reihenfolge des Buches
- Nummer 1:
Ein Spoiler vergrößert nicht die Leistung des Motors, er hilft, vorhandene Kraft sicher auf die Straße zu bringen, ebenso geht es im FAR-Coaching nicht darum, den Menschen weiter zu optimieren, damit er noch mehr erträgt, leistet und funktioniert, es geht darum, ihm wieder Bodenhaftung, innere Führung, Richtung und einen kohärenten Kontakt zu sich selbst zu ermöglichen
- Nummer 2:
Nicht jede Kraft braucht mehr Leistung, manche Energie braucht zuerst wieder geerdete Bodenhaftung
- Nummer 3:
Aus dem Motorsport kennen wir: Geschwindigkeit ohne inneren Halt führt nicht schneller zum Ziel, sondern leichter aus der eigenen Spur
- Nummer 4:
Im christlichen Glauben wurde Das Wort Fleisch, bevor Seine gelebten Zeugnisse zu Schrift wurden, der Text bewahrt Das Wort, lebendige Liebe und Der Glaube geben Ihm unter Menschen erneut Gestalt
- Nummer 5:
Jesus der Christus ist sozusagen Das inkarnierte Wort GOTTES an die Menschen, für die Menschen und unter den Menschen
- Nummer 6:
Das „an die Menschen“ beschreibt die Richtung der Mitteilung, „unter den Menschen“ bezeichnet ihre Gegenwart und „als Mensch“ bezeichnet ihre Verkörperung
- Nummer 7:
Inkarnation“ bedeutet wörtlich Fleischwerdung: Das Wort wird also nicht bloß ausgedrückt oder niedergeschrieben, sondern tritt lebendig in-formiert in die leibliche, zeitliche, verletzliche und sterbliche Wirklichkeit des Menschseins ein
- Nummer 8:
Jesus der Christus wurde nicht erst durch Die Auferstehung Das Lebendige Wort GOTTES, da Leben in ihm ist, wird Das Wort Fleisch, Gegenwart, Beziehung, Weg und Wirkung, Seine Auferstehung bezeugt im Glauben, dass dieses verkörperte Wort selbst im Tod nicht verstummt
- Nummer 9:
Ein Schriftzeichen bewahrt ein Wort, ist aber nicht mit dessen lebendigem Sinn identisch
- Nummer 10:
Die Lehre Jesu erscheint nicht nur als Satzbestand, sondern als gelebte Beziehung, Handlung und Wirkung
- Nummer 11:
Aus Ereignis wird Erinnerung, aus Erinnerung Zeugnis, aus Zeugnis Überlieferung, aus Überlieferung entsteht Schrift, aus geordneter Schrift wird ein Kanon, ein Kanon lebt nicht durch beliebige Umschreibung, sondern indem sein bewahrter Ursprung neue Menschen ans Ereignis erinnert
- Nummer 12:
Historisch ist keine authentisch anerkannte, von Jesus selbst verfasste Schrift bekannt, es stammt auch kein neutestamentliches Werk aus seiner Hand
- Nummer 13:
Die Jesus-überlieferung erfolgte über mündliche Tradition in Gemeinschaften bis zur späteren Schriftwerdung, was aber nicht beweist, dass Er aus einem bestimmten theologischen Grund bewusst kein Buch hinterlassen wollte
- Nummer 14:
Dabei ist Jesus christologisch nicht nur ein Überbringer einer Botschaft GOTTES, Er wird als Das Wort selbst verstanden, Das menschliche Gestalt angenommen hat
- Nummer 15:
Jesus Christus ist GOTTES lebendige Selbst-Mitteilung in menschlicher Gestalt
- Nummer 16:
In der Amorologie wird bewusst, welch liebende Tiefe in Dem Glauben Jesu als Dem lebendigen Worte GOTTES steckt, denn: GOTT spricht nicht nur über die Entfernung hinweg, Das Wort überschreitet die Entfernung zwischen Ursprung und Empfänger
- Nummer 17:
In der Amorologie wird bewusst, welch liebende Tiefe in Dem Glauben Jesu als Dem lebendigen Worte GOTTES steckt, denn: Es wird nicht nur spürbar, sondern hörbar, sichtbar, berührbar und erlebbar
- Nummer 18:
In der Amorologie wird bewusst, welch liebende Tiefe in Dem Glauben Jesu als Dem lebendigen Worte GOTTES steckt, denn: Es begegnet dem Menschen nicht außerhalb des Menschseins, sondern innerhalb seiner Lebenswirklichkeit
- Nummer 19:
Die Liebe GOTTES wird durch Jesus nicht nur erklärt, sondern verkörpert
- Nummer 20:
Jesus ist nicht lediglich der Lehrer Des Wortes, Sein Leben wird zum in-formiert informierenden Ausdruck Des Wortes GOTTES
- Nummer 21:
Das Wort wird Fleisch, damit der Mensch Ihm nicht nur als Gedanke, sondern als lebendiger Gegenwart begegnen kann
- Nummer 22:
Inkarnation ist die vollkommenste In-Form-Bringung Des Wortes GOTTES in die menschliche Wirklichkeit
- Nummer 23:
Das Wort GOTTES wurde in Jesus inkarniert, damit Es von den Menschen nicht nur gehört, sondern in Beziehung er-lebt werden konnte
- Nummer 24:
GOTT sandte nicht nur Informationen an die Menschen, Sein Wort kam sogar selbst zu ihnen, wurde Mensch und wohnte unter ihnen
- Nummer 25:
Im Glauben Jesu als lebendiges Wort GOTTES ist die vollkommenste Gestalt GÖTTlicher Liebe sichtbar: Sie erklärt sich nicht nur, Sie bekommt Form, begegnet uns und gibt Sich zu erkennen
- Nummer 26:
Verdichtung bewahrt den Kern, denn Weisheitsklarheit bewahrt auch den Weg, auf dem der Kern erkannt wurde
- Nummer 27:
Anhedonie kann entstehen, wenn das Leben zwar noch positive Wirkungen hervorbringt, diese Wirkungen aber im eigenen Inneren nur noch sehr flach ankommen
- Nummer 28:
Anhedonie stammt aus dem griechischen und meint: an=nicht und hedone=Freude, Lust, ergo ohne Freude oder Lust sein
- Nummer 29:
Anhedonie ist wie Burn-Out kein Krankheitsbild, sondern ein psychisches Symptom, bei dem Betroffene das Interesse an Aktivitäten, die ihnen früher Spaß gemacht haben, wie Hobbys, sozialen Kontakten, Essen oder Sexualität verlieren
- Nummer 30:
In der Psychologie kennt man vor allem zwei Formen: Antizipatorische Anhedonie: Die Unfähigkeit, Vorfreude auf ein zukünftiges Ereignis zu empfinden und Konsuma-torische Anhedonie: Die Unfähigkeit, im Moment des Erlebens selbst Freude oder Genuss zu empfinden
- Nummer 31:
Aus anderen Disziplinen kann man anhedonische Formen unterscheiden, in: Vorfreude-Anhedonie, man erwartet von einer Aktivität nichts Schönes und kann sich deshalb kaum noch dazu aufraffen
- Nummer 32:
Aus anderen Disziplinen kann man anhedonische Formen unterscheiden, in: Genuss-Anhedonie, man tut etwas, das früher angenehm war, empfindet währenddessen aber wenig oder nichts mehr
- Nummer 33:
Aus anderen Disziplinen kann man anhedonische Formen unterscheiden, in: Soziale Anhedonie, Nähe, Gespräche, Begegnungen oder Zugehörigkeit erreichen einen kaum noch
- Nummer 34:
Aus anderen Disziplinen kann man anhedonische Formen unterscheiden, in: Körperlich-sinnliche Anhedonie, Essen, Musik, Berührung, Sexualität, Natur oder Wärme verlieren ihre angenehme Wirkung
- Nummer 35:
Anhedonie ist nicht dasselbe wie Apathie, mit: „Ich habe keinen Antrieb
- Nummer 36:
Anhedonie ist nicht dasselbe wie Erschöpfung: „Ich würde vielleicht wollen, aber ich habe keine Kraft
- Nummer 37:
Anhedonie ist nicht dasselbe wie Enttäuschungsrückzug: „Ich möchte mich nicht erneut öffnen und verletzt werden
- Nummer 38:
Anhedonie ist: „Selbst, wenn etwas Schönes geschieht, entsteht kaum Freude in mir dazu
- Nummer 39:
Vereinfacht besteht Freude aus mehreren Vorgängen: 1. etwas Schönes erwarten, 2. sich darauf zubewegen, 3. es im Augenblick genießen, 4. die Erfahrung innerlich als wertvoll speichern
- Nummer 40:
Chronischer Stress, Überforderung, Verlust, Depression oder wiederholte Enttäuschungen können den inneren Belohnungskreislauf dämpfen, das Gehirn und das Nervensystem schalten dann gewissermaßen vom Erleben auf das Funktionieren um
- Nummer 41:
Beobachte einmal in dir: Gibt es noch Vorfreude, kann ich etwas genießen, wenn ich bereits dabei bin, empfinde ich Nähe und Zärtlichkeit, berühren mich Musik, Natur, Geschmack oder Schönheit, bin ich freudlos oder vor allem erschöpft, ist mir alles egal oder erscheint mir vieles sinnlos?
- Nummer 42:
Viele Heiler kennen das Gefühl: Ich bin lebendig, wenn ich etwas bewirke, jemanden trage oder etwas Bedeutendes erschaffe
- Nummer 43:
Manchmal ist die Freude nicht vollständig verschwunden, aber sie hat sich auf sehr wenige Lebensräume verengt, wie Familie oder Erfolg
- Nummer 44:
Wenn kaum noch Freude empfunden wird, können mehrere Dinge gleichzeitig dahinterstecken: eine tiefe Erschöpfung oder depressive Verstimmung mit Anhedonie
- Nummer 45:
Wenn kaum noch Freude empfunden wird, können mehrere Dinge gleichzeitig dahinterstecken: eine Identität, die jahrzehntelang beinahe ausschließlich aus Leistung, Helfen und Verantwortung bestand
- Nummer 46:
Wenn kaum noch Freude empfunden wird, können mehrere Dinge gleichzeitig dahinterstecken: eine Art Enttäuschungstrauer über Menschen, Beziehungen und Möglichkeiten, in die du viel mehr hineingegeben hast, als zurückkam
- Nummer 47:
Wenn kaum noch Freude empfunden wird, können mehrere Dinge gleichzeitig dahinterstecken: eine nie wirklich erlernte Beziehung zu dir selbst außerhalb einer Aufgabe
- Nummer 48:
Heiler kennen oft das Gefühl: Ich kann mit mir allein nichts anfangen“, aber es bedeutet nicht: „In mir ist nichts mehr“, es bedeutet eher: Ich habe kaum erfahren dürfen, wer ich bin, wenn niemand etwas von mir braucht und nichts geleistet werden muss
- Nummer 49:
Manchmal kommt eine Enttäuschung nicht, weil du grundsätzlich zu viel erwartest, möglicherweise hast du Gegenseitigkeit und Tiefe von Menschen erwartet, die sie einfach nicht geben können
- Nummer 50:
Manchmal kommt eine Enttäuschung nicht, weil du grundsätzlich zu viel erwartest, möglicherweise hast du bei Menschen um dich herum zu lange an ihrem potentiellen, statt an ihrem tatsächlichen Wesen festgehalten
- Nummer 51:
Ein berechtigtes Bedürfnis wird nicht dadurch erwartend überhöht, dass der falsche Mensch es nicht erfüllt, trotzdem täuscht man sich über den anderen und erlebt das Ende dieser Täuschung
- Nummer 52:
Bei vielen Heilern kann man nicht direkt sagen, dass „zu viel“ erwartet wird, aber es geschieht evtl. Folgendes: Du gibst Verbindlichkeit, Tiefe, Loyalität und Verantwortung auf einem ungewöhnlich hohen Niveau und gehst davon aus, dass andere das Wesen dieser Gabe erkennen und anerkennen
- Nummer 53:
Bei vielen Heilern kann man nicht direkt sagen, dass „zu viel“ erwartet wird, aber es geschieht möglicherweise Folgendes: Du siehst häufig das Potenzial eines Menschen und behandelst ihn bereits so, als würde er dieses Potenzial zuverlässig verwirklichen, was er aber eben nicht tut

- Nummer 54:
Bei vielen Heilern kann man nicht direkt sagen, dass „zu viel“ erwartet wird, aber es geschieht möglicherweise Folgendes: Durch deine Helfer-, Leiter- und Versorgerrolle begegnest du überproportional vielen Menschen, die etwas von dir brauchen, aber nicht unbedingt denen, die dich auf gleicher Höhe tragen können
- Nummer 55:
Deine Tiefe ist oft gar nicht der Fehler, sie braucht nur Menschen, deren tatsächliche Tragfähigkeit zu ihr passt, sowie Grenzen, die Dich vor dauernder Einseitigkeit schützen
- Nummer 56:
Arten der Enttäuschung und was sie von dir verlangen: Ein Versprechen wird gebrochen, also zeige Konsequenz und Grenzen
- Nummer 57:
Arten der Enttäuschung und was sie von dir verlangen: Eine Erwartung wurde nie ausgesprochen, also treffe klare Vereinbarungen
- Nummer 58:
Arten der Enttäuschung und was sie von dir verlangen: Du vertraust auf mögliches Potenzial, das nie gelebt wird, dann orientiere dich nur noch am tatsächlichen Verhalten
- Nummer 59:
Arten der Enttäuschung und was sie von dir verlangen: Grundwerte unterscheiden sich, dann leiste Auswahl statt Überzeugungsarbeit und löse dich von
- Nummer 60:
Arten der Enttäuschung und was sie von dir verlangen: Jemand nimmt dauerhaft mehr, als er gibt, dann begrenze den Zugang zu Dir
- Nummer 61:
Problematisch wird Enttäuschung erst, wenn man nach der Erkenntnis weiterhin so investiert, als sei die Vorstellung noch wahr
- Nummer 62:
Heiler und Weise können hervorragend geben, tragen und in Sinn verwandeln, aber Genuss bedeutet auch Empfangen, ohne dafür etwas leisten zu müssen, wie bei der Gnade als unverdiente Liebe oder Zuwendung
- Nummer 63:
Kein Inkarnierter kann mehr geben, als er empfängt, aber wer immer und gern gibt und keinen adäquaten Ausgleich erfährt, dem wird ein solches Empfangen über die Zeit fremd
- Nummer 64:
Anhedonie ist nicht lebensmüde oder undankbar, sondern manchmal schlichtweg müde von wiederholter menschlicher Enttäuschung
- Nummer 65:
Ständige Enttäuschungen können Freude dämpfen: Wenn das Innere wiederholt erlebt, dass Hoffnung in Belastung endet, beginnt es, Erwartungen und Vorfreude vorsorglich herunterzufahren
- Nummer 66:
Vielleicht lautet die tiefere Frage nicht: „Warum enttäuschen mich alle?“, sondern: „Warum erhalten Menschen bei mir immer wieder mehr Vertrauen, Verantwortung oder Hoffnung, als ihr bisheriges Verhalten trägt?
- Nummer 67:
Dankbarkeit und Freudlosigkeit können durchaus gleichzeitig bestehen, denn Dankbarkeit ist eine innere Haltung, Freude eine emotionale Reaktion
- Nummer 68:
Wenn die Genussfähigkeit erschöpft ist, fühlt sich auch ein Hobby nur wie eine weitere Aufgabe an
- Nummer 69:
Frage dich zunächst nicht: „Was macht mir Spaß?“, das ist momentan vielleicht zu groß, frage eher: „Wobei fühle ich mich für zehn Minuten ein wenig weniger leer, angespannt oder verpflichtet?
- Nummer 70:
Musik, Wärme, Haustiere, ein langsamer Spaziergang, gutes Essen, Berührung, Natur oder einfach stilles Sitzen bei einem vertrauten Menschen können helfen, denn Freude kehrt oft nicht als Begeisterung zurück, sondern zunächst als Momente kaum merklichen Aufatmens
- Nummer 71:
Die Lösung bei Ent-Täuschungen von Heilern ist nicht, weniger tief zu lieben oder anspruchslos zu werden, sondern: Nicht weniger erwarten, aber später vertrauen, genauer auswählen und früher auf wiederholtes Verhalten reagieren
- Nummer 72:
Menschen sollten Zugang zu deiner Zeit, Kraft, Verantwortung und Nähe stufenweise erhalten, denn nicht ihre Worte, Not oder Möglichkeiten entscheiden darüber, sondern ihre Beständigkeit, Gegenseitigkeit, Verantwortungsfähigkeit und ihr Verhalten
- Nummer 73:
Die Fähigkeit, Sachrespekt und Würderespekt zu erkennen und ins Handeln zu implementieren, das ist mehr als soziale Feinfühligkeit: Sie ist eine grundlegende Berufs-, Rollen- und Beziehungskompetenz und zugleich ein Schutz vor Machtmissbrauch
- Nummer 74:
Je größer die Deutungs-, Bewertungs- oder Beziehungsmacht eines Menschen, desto strenger muss er unterscheiden: Sachrespekt ist abhängig von Richtigkeit, Kompetenz und Gültigkeit
- Nummer 75:
Je größer die Deutungs-, Bewertungs- oder Beziehungsmacht eines Menschen, desto strenger muss er unterscheiden: Beziehungsrespekt ist abhängig von Vertrauen, Verlässlichkeit, Verhalten und Reziprozität
- Nummer 76:
Je größer die Deutungs-, Bewertungs- oder Beziehungsmacht eines Menschen, desto strenger muss er unterscheiden: Würderespekt ist unverlierbar und niemals leistungsabhängig
- Nummer 77:
Ein Lehrer darf eine Antwort oder Verhalten als falsch beurteilen, aber kein minderwertiges Kind erschaffen
- Nummer 78:
Ein Heiler darf ein schädliches Muster erkennen, aber keinen defekten oder schuldigen Menschen daraus machen
- Nummer 79:
Eine Gesellschaft kann Behinderungen bei Mitmenschen feststellen, aber keine minderwertigen Behinderten erschaffen
- Nummer 80:
Ein Partner darf Vertrauen verlieren, Grenzen setzen oder gehen, aber ohne dem anderen seine Menschenwürde abzusprechen
- Nummer 81:
Wahre Autorität hält ihr Urteil auf der Ebene, für die sie zuständig ist, und die Würde über jeder Ebene unversehrt
- Nummer 82:
Fehler gehören zum Handeln dazu, wie der sog. Tod zum Leben, die Würde jedenfalls gehört genauso zum Sein
- Nummer 83:
Ein Bedürfnis ist noch keine Forderung
- Nummer 84:
Eine Erwartung ist noch keine Vereinbarung
- Nummer 85:
Werteverschiedenheit ist noch kein Disrespekt
- Nummer 86:
Eine Grenze ist nicht notwendig Trennung, sondern zunächst die Form oder Kondition, unter der Beziehung wahrhaftig bleiben kann
- Nummer 87:
Fehlerhaftes Handeln darf Sachrespekt, Vertrauen und Beziehungsqualität mindern, kein Fehler macht jedoch das Sein eines Menschen minderwertig
- Nummer 88:
Konsequenz ohne Entwürdigung ist die Verbindung von Wahrheit und Würde
- Nummer 89:
Das Paradoxum im Wort „Gegen-Seitigkeit“: Das Wort trägt „gegen“, also ein Sprachelement, das wir gewöhnlich mit Widerstand, Gegnerschaft und Gegeneinander verbinden, dabei bezeichnet „Gegenseitigkeit“ gerade keine Gegnerschaft, sondern eine wechselseitige Verbindung
- Nummer 90:
Das „Gegen“ in der Gegen-Seitigkeit bezeichnet nicht den Gegner, sondern als „gegenüber“ die räumliche Verortung des Anderen
- Nummer 91:
Der andere steht mir gegenüber, weil er nicht ich ist, er bleibt eine eigene Seite, denn erst dadurch kann er mit mir überhaupt kommunizieren
- Nummer 92:
Ohne Verschiedenheit gäbe es keine Gegen-Seitigkeit, sondern nur Gleichheit, Verschmelzung oder Selbstbegegnung
- Nummer 93:
In der Amorologie ist klar: Das Gegenüber ist nicht schon deshalb ein Gegner, weil es eine andere Seite verkörpert
- Nummer 94:
Das sprachliche Paradoxum Gegen-Seitig offenbart eine Beziehungsentscheidung: Der Mensch kann dualitär das Gegenüber zum Gegner erklären oder als eigenständigen, polaritär einbezogenen Reflektions-Pol anerkennen
- Nummer 95:
Erst der Bindestrich macht die verborgene Struktur sichtbar, denn Gegen- heisst: Es gibt ein wirkliches Gegenüber und Seite: Beide besitzen eine eigene Position, Würde, Grenze und Wirklichkeit
- Nummer 96:
So wirkt Gegen-Seitigkeit: Beide Seiten bleiben unterscheidbar und beziehen sich dennoch aufeinander
- Nummer 97:
Polarität hebt die Seiten nicht auf, aber sie verbindet sie trotz und gerade ihrer Unterschiedenheit
- Nummer 98:
Reziprozität bedeutet nicht, dass beide dasselbe, gleichzeitig oder in gleicher Menge sein oder geben müssen, Menschen verfügen über verschiedene Energien, Möglichkeiten und Ausdrucksformen
- Nummer 99:
Gleichwertigkeit verlangt keine übereinstimmende Gleichmenge, deren Schnittmenge ist jedenfalls Respekt
- Nummer 100:
Reziprozität zählt nicht gleiche Gaben, sondern erkennt, ob Beziehung in beide Richtungen angemessen lebt
- Nummer 101:
In einer Beziehung gibt der eine vielleicht Zeit, der andere Schutz; der eine Wissen, der andere Fürsorge; der eine Geld, der andere verlässliche Anwesenheit usw., Handlung und Haltung sind in Beziehungen keine Währung, sondern gelebte Reziprozität
- Nummer 102:
Reziprozität ist Berücksichtigung, nicht Abrechnung, denn Gegen-Seitigkeit darf nicht zur versteckten Buchhaltung werden: „Ich habe dieses gegeben, deshalb schuldest du mir genau jenes.
- Nummer 103:
Eine freie Gabe darf ohne unmittelbare Gegengabe bleiben, aber eine Beziehung, die sich als verbindliches Wir versteht, kann nicht dauerhaft davon leben, dass nur einer gibt, trägt, erklärt, toleriert, organisiert, finanziert, verzichtet, verzeiht und den nächsten Schritt hervorbringt
- Nummer 104:
Der Konflikt liegt nicht in der Beziehung an sich, sondern in der einseitigen statt reziproken Art und Qualität gemeinsamen Seins, Handelns und Wirkens
- Nummer 105:
Ein Wir, das nur einer bewegt, ist ein Ich ohne gelebte Gegen-Seitigkeit im Gewand des behaupteten Wirs

- Nummer 106:
Wo nur einer gibt, trägt er bald nicht mehr nur die Last, sondern auch die ganze Beziehung selbst
- Nummer 107:
Die Erschöpfung in einer einseitigen Beziehung entsteht nicht allein aus der Menge des Gebens, sie entsteht daraus, dass das Geben keine Gegenseitigkeit aus Anerkennung, Respekt, Dank, Würdigung etc. erfährt
- Nummer 108:
In der Amorologie ist Gegen-Seitigkeit die in Liebe verbindende Berücksichtigung, gepaart mit dem Willen und der Bereitschaft, das Gemeinsame zu er-schaffen
- Nummer 109:
Liebe ohne Berücksichtigung kann zur einseitigen Hingabe werden und Wille ohne Liebe zur Forderung und Durchsetzung, erst beide gemeinsam begründen tragfähige Reziprozität
- Nummer 110:
Wo Berücksichtigung dauerhaft ausbleibt, muss nicht die Liebe enden, wohl aber wird die bisherige Beziehungsform ihre Wahrheit verlieren
- Nummer 111:
Ein Wir, das nur einer trägt, ist seinem Anspruch nach gemeinsam, in seiner Wirklichkeit aber einseitig
- Nummer 112:
In der Amorologie bekommt das Wort Arroganz eine tiefere Bedeutung, denn es führt über lateinisch arrogantia zu adrogare, gebildet aus ad=aus, auf und rogare=fragen oder bitten, also auf Nachfrage und zunächst nicht als imponierter Anspruch des Sich-Selbst-Zuschreibens oder Anmaßens
- Nummer 113:
Arroganz war anfänglich noch die Frage, die sich bereits im eigenen Sinne beantwortet hat und den anderen nur noch zur Zustimmung benötigt
- Nummer 114:
Eine wirkliche Frage lässt die Antwort frei und eine wirkliche Bitte lässt ein Nein zu, da, wo Antwort, Zustimmung, Anerkennung, Zugang oder Unterordnung schon als geschuldet gelten, wird aus dem Fragen ein eigenmächtiges Beanspruchen
- Nummer 115:
In der Amorologie ist Arroganz eine innere Haltung oder äußere Verhaltensweise, in der ein Mensch, eine Gruppe, Institution oder Lehre sich ohne ausreichende Legitimation ein Mehr an Rang, Wert, Wissen, Deutungshoheit, Recht, Ausnahme, Zugang oder Verfügung zuschreibt und dadurch Würde, Freiheit, Grenze oder Eigenständigkeit des Gegenübers mindert
- Nummer 116:
Arroganz ist damit nicht einfach ein „hohes Selbstbild“, sie ist eine relationale Rangverformung: Ein wirklicher oder eingebildeter Unterschied wird unterstellt, aus diesem Unterschied wird eine höhere Stellung abgeleitet, daraus wird ein Mehr-Recht beansprucht und das Gegenüber dadurch einem „Darunter“ zugewiesen
- Nummer 117:
Ein Sach-, Leistungs- oder Rollen-Rangunterschied ist noch keine Arroganz, so kann ein Arzt fachlich mehr wissen, eine Leitung mehr entscheiden und ein Lehrer mehr Erfahrung besitzen, Arroganz beginnt, wenn dieses sachliche oder funktionale Mehr in ein menschliches Mehr-Wert-Sein oder in ein unbegrenztes Verfügungsrecht über andere umgedeutet wird
- Nummer 118:
Die Amorologie erfordert wissenschaftlich die nähere Begriffsklärung im heutigen Sprachgebrauch, der Arroganz als Anmaßung, Hochmut oder Überheblichkeit und etwas für sich einfordern oder verlangen lässt, das einem eigentlich nicht zusteht, was eine Grenzüberschreitung darstellt, und so Grenzen vertiefen oder erst entstehen lässt
- Nummer 119:
Amorologische Begriffsklärung: Anmaßung = Das unberechtigte Beanspruchen eines Rechts oder einer Stellung
- Nummer 120:
Amorologische Begriffsklärung: Hochmut = Die innere Einordnung des eigenen Selbst über andere
- Nummer 121:
Amorologische Begriffsklärung: Überheblichkeit = Das Phänomen der Selbsterhöhung
- Nummer 122:
Amorologische Begriffsklärung: Herablassung = Die Behandlung des anderen aus dem behaupteten „Oben
- Nummer 123:
Amorologische Begriffsklärung: Arroganz = Das Gesamtmuster aus illegitimer Beanspruchung, Selbsterhöhung und relationaler Herabsetzung
- Nummer 124:
Das Arroganz-Grenzparadoxum: Arroganz überschreitet Grenzen und erschafft dadurch stärkere neue und zugleich mehr Distanz
- Nummer 125:
Wer sich unberechtigt Nähe, Zugang, Zustimmung, Antwort oder Verfügung aneignet, ruft häufig gerade jene stärkere Schutzgrenzen hervor, die anschließend vom Intrusor als Ablehnung oder Kränkung erlebt wird, denn Arroganz überschreitet zunächst die Grenze des anderen und beklagt danach die Grenze, die zum Schutz notwendig geworden ist
- Nummer 126:
Arroganz verformt Reziprozität: Sie erwartet Antwort, ohne selbst rechenschaftspflichtig sein zu wollen
- Nummer 127:
Arroganz verformt Reziprozität: Sie verlangt Anerkennung, ohne die andere Seite anzuerkennen
- Nummer 128:
Arroganz verformt Reziprozität: Sie verteilt Pflichten nach außen und Ausnahmen nach innen
- Nummer 129:
Arroganz verformt Reziprozität: Sie behandelt Widerspruch als Respektlosigkeit
- Nummer 130:
Arroganz verformt Reziprozität: Sie verwechselt freiwillige Anerkennung mit geschuldeter Unterordnung
- Nummer 131:
Arroganz hat sichtbare und verborgene Formen, sie muss nicht laut sein, sie kann auch höflich, gebildet, hilfreich, moralisch oder spirituell auftreten
- Nummer 132:
Facharroganz macht aus Kompetenz eine Deutungshoheit über den ganzen Menschen oder Systeme
- Nummer 133:
Moralische Arroganz macht aus einem Maßstab einen abgeleiteten Beweis und damit Anspruch eigener Höherwertigkeit
- Nummer 134:
Helfer-Arroganz macht aus Unterstützung ein Recht zur Entmündigung
- Nummer 135:
Institutionelle Arroganz macht aus Amt, Besitz oder Erfolg eine Ausnahme von Rechenschaft
- Nummer 136:
Spirituelle Arroganz verwechselt empfangene Erkenntnis mit persönlicher Unfehlbarkeit oder Eigentum an Der QUELLE
- Nummer 137:
In der Amorologie ist Demut weder Selbstzweifel noch Selbstverkleinerung, sie ist hier wahrheitsfähige Selbstkenntnis
- Nummer 138:
Demut sagt in der Amorologie: Ich kenne meinen Wert
- Nummer 139:
Demut sagt in der Amorologie: Ich erkenne meine Gabe
- Nummer 140:
Demut sagt in der Amorologie: Ich übernehme meine Verantwortung
- Nummer 141:
Demut sagt in der Amorologie: Ich kenne meine Grenzen
- Nummer 142:
Demut sagt in der Amorologie: Ich bleibe korrigierbar
- Nummer 143:
Demut sagt in der Amorologie: Ich benötige keine herabgesetzte Würde des anderen, um meine eigene Würde zu bewahren
- Nummer 144:
Arroganz ist nicht das Wissen um ein Mehr, sondern die Anmaßung eines Mehr-Rechts aus einem illusorischen Mehr-Empfindungs-Anspruch
- Nummer 145:
Demut macht den Menschen nicht kleiner, sie beendet nur seinen Anspruch, größer sein zu müssen als ein anderer
- Nummer 146:
Vermeidung zeigt sich dort, wo Angst dich von einer wichtigen Handlung trennt
- Nummer 147:
Frage dich in Ruhe nicht nur, was zu tun ist, frage, was du gerade vermeidest zu tun beim Tun
- Nummer 148:
Vermeidung verbirgt sich selten im Stillstand, sie trägt oft das Gewand emsiger Geschäftigkeit
- Nummer 149:
Wenn plötzlich Nebensächliches wichtig erscheint, dann ist es meist die Tarnung dessen, was schon lange wirklich wichtiger wäre
- Nummer 150:
Selbstüberwindung heißt nicht, dich selbst innerlich kämpfend zu besiegen, sondern den Widerstand zu überwinden, der dich von deinem eigentlichen Willen trennt
- Nummer 151:
Mut beginnt nicht dort, wo Angst endet, sondern dort, wo Wahrheit trotz Angst Handlung wird
- Nummer 152:
Oft hält nicht das ganze Leben dich auf, sondern eine einzige ungeklärte Stelle
- Nummer 153:
Der Flaschenhals deiner Aufschieberei ist klein im Raum aber groß in seiner Wirkung
- Nummer 154:
Die Engstelle auf deinem Weg ist nicht sein Ende, sondern nur sein nächster, schmaler Durchgang
- Nummer 155:
Vermeidung ist nicht notwendigerweise auch Feigheit, manchmal wahrt sie eine notwendige Grenze, erst Weisheit unterscheidet Schutz von Flucht
- Nummer 156:
Der kleinste wahrhaftige Schritt kann größer wirken als die längste Absicht
- Nummer 157:
Freiheit wächst, wo Erkenntnis, Wille, Wort und Handlung wieder zusammenfinden
- Nummer 158:
Nicht das ganze Leben verlangt auf einmal Mut, manchmal wartet nur die eine Engstelle auf den einen befreienden Schritt