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Sammlung

Sammlung 121

Umfang
158 Gedanken
Lesezeit
etwa 19 Minuten

158 Gedanken, in der Reihenfolge des Buches

  1. Nummer 1:

    Ein Spoiler vergrößert nicht die Leistung des Motors, er hilft, vorhandene Kraft sicher auf die Straße zu bringen, ebenso geht es im FAR-Coaching nicht darum, den Menschen weiter zu optimieren, damit er noch mehr erträgt, leistet und funktioniert, es geht darum, ihm wieder Bodenhaftung, innere Führung, Richtung und einen kohärenten Kontakt zu sich selbst zu ermöglichen

  2. Nummer 2:

    Nicht jede Kraft braucht mehr Leistung, manche Energie braucht zuerst wieder geerdete Bodenhaftung

  3. Nummer 3:

    Aus dem Motorsport kennen wir: Geschwindigkeit ohne inneren Halt führt nicht schneller zum Ziel, sondern leichter aus der eigenen Spur

  4. Nummer 4:

    Im christlichen Glauben wurde Das Wort Fleisch, bevor Seine gelebten Zeugnisse zu Schrift wurden, der Text bewahrt Das Wort, lebendige Liebe und Der Glaube geben Ihm unter Menschen erneut Gestalt

  5. Nummer 5:

    Jesus der Christus ist sozusagen Das inkarnierte Wort GOTTES an die Menschen, für die Menschen und unter den Menschen

  6. Nummer 6:

    Das „an die Menschen“ beschreibt die Richtung der Mitteilung, „unter den Menschen“ bezeichnet ihre Gegenwart und „als Mensch“ bezeichnet ihre Verkörperung

  7. Nummer 7:

    Inkarnation“ bedeutet wörtlich Fleischwerdung: Das Wort wird also nicht bloß ausgedrückt oder niedergeschrieben, sondern tritt lebendig in-formiert in die leibliche, zeitliche, verletzliche und sterbliche Wirklichkeit des Menschseins ein

  8. Nummer 8:

    Jesus der Christus wurde nicht erst durch Die Auferstehung Das Lebendige Wort GOTTES, da Leben in ihm ist, wird Das Wort Fleisch, Gegenwart, Beziehung, Weg und Wirkung, Seine Auferstehung bezeugt im Glauben, dass dieses verkörperte Wort selbst im Tod nicht verstummt

  9. Nummer 9:

    Ein Schriftzeichen bewahrt ein Wort, ist aber nicht mit dessen lebendigem Sinn identisch

  10. Nummer 10:

    Die Lehre Jesu erscheint nicht nur als Satzbestand, sondern als gelebte Beziehung, Handlung und Wirkung

  11. Nummer 11:

    Aus Ereignis wird Erinnerung, aus Erinnerung Zeugnis, aus Zeugnis Überlieferung, aus Überlieferung entsteht Schrift, aus geordneter Schrift wird ein Kanon, ein Kanon lebt nicht durch beliebige Umschreibung, sondern indem sein bewahrter Ursprung neue Menschen ans Ereignis erinnert

  12. Nummer 12:

    Historisch ist keine authentisch anerkannte, von Jesus selbst verfasste Schrift bekannt, es stammt auch kein neutestamentliches Werk aus seiner Hand

  13. Nummer 13:

    Die Jesus-überlieferung erfolgte über mündliche Tradition in Gemeinschaften bis zur späteren Schriftwerdung, was aber nicht beweist, dass Er aus einem bestimmten theologischen Grund bewusst kein Buch hinterlassen wollte

  14. Nummer 14:

    Dabei ist Jesus christologisch nicht nur ein Überbringer einer Botschaft GOTTES, Er wird als Das Wort selbst verstanden, Das menschliche Gestalt angenommen hat

  15. Nummer 15:

    Jesus Christus ist GOTTES lebendige Selbst-Mitteilung in menschlicher Gestalt

  16. Nummer 16:

    In der Amorologie wird bewusst, welch liebende Tiefe in Dem Glauben Jesu als Dem lebendigen Worte GOTTES steckt, denn: GOTT spricht nicht nur über die Entfernung hinweg, Das Wort überschreitet die Entfernung zwischen Ursprung und Empfänger

  17. Nummer 17:

    In der Amorologie wird bewusst, welch liebende Tiefe in Dem Glauben Jesu als Dem lebendigen Worte GOTTES steckt, denn: Es wird nicht nur spürbar, sondern hörbar, sichtbar, berührbar und erlebbar

  18. Nummer 18:

    In der Amorologie wird bewusst, welch liebende Tiefe in Dem Glauben Jesu als Dem lebendigen Worte GOTTES steckt, denn: Es begegnet dem Menschen nicht außerhalb des Menschseins, sondern innerhalb seiner Lebenswirklichkeit

  19. Nummer 19:

    Die Liebe GOTTES wird durch Jesus nicht nur erklärt, sondern verkörpert

  20. Nummer 20:

    Jesus ist nicht lediglich der Lehrer Des Wortes, Sein Leben wird zum in-formiert informierenden Ausdruck Des Wortes GOTTES

  21. Nummer 21:

    Das Wort wird Fleisch, damit der Mensch Ihm nicht nur als Gedanke, sondern als lebendiger Gegenwart begegnen kann

  22. Nummer 22:

    Inkarnation ist die vollkommenste In-Form-Bringung Des Wortes GOTTES in die menschliche Wirklichkeit

  23. Nummer 23:

    Das Wort GOTTES wurde in Jesus inkarniert, damit Es von den Menschen nicht nur gehört, sondern in Beziehung er-lebt werden konnte

  24. Nummer 24:

    GOTT sandte nicht nur Informationen an die Menschen, Sein Wort kam sogar selbst zu ihnen, wurde Mensch und wohnte unter ihnen

  25. Nummer 25:

    Im Glauben Jesu als lebendiges Wort GOTTES ist die vollkommenste Gestalt GÖTTlicher Liebe sichtbar: Sie erklärt sich nicht nur, Sie bekommt Form, begegnet uns und gibt Sich zu erkennen

  26. Nummer 26:

    Verdichtung bewahrt den Kern, denn Weisheitsklarheit bewahrt auch den Weg, auf dem der Kern erkannt wurde

  27. Nummer 27:

    Anhedonie kann entstehen, wenn das Leben zwar noch positive Wirkungen hervorbringt, diese Wirkungen aber im eigenen Inneren nur noch sehr flach ankommen

  28. Nummer 28:

    Anhedonie stammt aus dem griechischen und meint: an=nicht und hedone=Freude, Lust, ergo ohne Freude oder Lust sein

  29. Nummer 29:

    Anhedonie ist wie Burn-Out kein Krankheitsbild, sondern ein psychisches Symptom, bei dem Betroffene das Interesse an Aktivitäten, die ihnen früher Spaß gemacht haben, wie Hobbys, sozialen Kontakten, Essen oder Sexualität verlieren

  30. Nummer 30:

    In der Psychologie kennt man vor allem zwei Formen: Antizipatorische Anhedonie: Die Unfähigkeit, Vorfreude auf ein zukünftiges Ereignis zu empfinden und Konsuma-torische Anhedonie: Die Unfähigkeit, im Moment des Erlebens selbst Freude oder Genuss zu empfinden

  31. Nummer 31:

    Aus anderen Disziplinen kann man anhedonische Formen unterscheiden, in: Vorfreude-Anhedonie, man erwartet von einer Aktivität nichts Schönes und kann sich deshalb kaum noch dazu aufraffen

  32. Nummer 32:

    Aus anderen Disziplinen kann man anhedonische Formen unterscheiden, in: Genuss-Anhedonie, man tut etwas, das früher angenehm war, empfindet währenddessen aber wenig oder nichts mehr

  33. Nummer 33:

    Aus anderen Disziplinen kann man anhedonische Formen unterscheiden, in: Soziale Anhedonie, Nähe, Gespräche, Begegnungen oder Zugehörigkeit erreichen einen kaum noch

  34. Nummer 34:

    Aus anderen Disziplinen kann man anhedonische Formen unterscheiden, in: Körperlich-sinnliche Anhedonie, Essen, Musik, Berührung, Sexualität, Natur oder Wärme verlieren ihre angenehme Wirkung

  35. Nummer 35:

    Anhedonie ist nicht dasselbe wie Apathie, mit: „Ich habe keinen Antrieb

  36. Nummer 36:

    Anhedonie ist nicht dasselbe wie Erschöpfung: „Ich würde vielleicht wollen, aber ich habe keine Kraft

  37. Nummer 37:

    Anhedonie ist nicht dasselbe wie Enttäuschungsrückzug: „Ich möchte mich nicht erneut öffnen und verletzt werden

  38. Nummer 38:

    Anhedonie ist: „Selbst, wenn etwas Schönes geschieht, entsteht kaum Freude in mir dazu

  39. Nummer 39:

    Vereinfacht besteht Freude aus mehreren Vorgängen: 1. etwas Schönes erwarten, 2. sich darauf zubewegen, 3. es im Augenblick genießen, 4. die Erfahrung innerlich als wertvoll speichern

  40. Nummer 40:

    Chronischer Stress, Überforderung, Verlust, Depression oder wiederholte Enttäuschungen können den inneren Belohnungskreislauf dämpfen, das Gehirn und das Nervensystem schalten dann gewissermaßen vom Erleben auf das Funktionieren um

  41. Nummer 41:

    Beobachte einmal in dir: Gibt es noch Vorfreude, kann ich etwas genießen, wenn ich bereits dabei bin, empfinde ich Nähe und Zärtlichkeit, berühren mich Musik, Natur, Geschmack oder Schönheit, bin ich freudlos oder vor allem erschöpft, ist mir alles egal oder erscheint mir vieles sinnlos?

  42. Nummer 42:

    Viele Heiler kennen das Gefühl: Ich bin lebendig, wenn ich etwas bewirke, jemanden trage oder etwas Bedeutendes erschaffe

  43. Nummer 43:

    Manchmal ist die Freude nicht vollständig verschwunden, aber sie hat sich auf sehr wenige Lebensräume verengt, wie Familie oder Erfolg

  44. Nummer 44:

    Wenn kaum noch Freude empfunden wird, können mehrere Dinge gleichzeitig dahinterstecken: eine tiefe Erschöpfung oder depressive Verstimmung mit Anhedonie

  45. Nummer 45:

    Wenn kaum noch Freude empfunden wird, können mehrere Dinge gleichzeitig dahinterstecken: eine Identität, die jahrzehntelang beinahe ausschließlich aus Leistung, Helfen und Verantwortung bestand

  46. Nummer 46:

    Wenn kaum noch Freude empfunden wird, können mehrere Dinge gleichzeitig dahinterstecken: eine Art Enttäuschungstrauer über Menschen, Beziehungen und Möglichkeiten, in die du viel mehr hineingegeben hast, als zurückkam

  47. Nummer 47:

    Wenn kaum noch Freude empfunden wird, können mehrere Dinge gleichzeitig dahinterstecken: eine nie wirklich erlernte Beziehung zu dir selbst außerhalb einer Aufgabe

  48. Nummer 48:

    Heiler kennen oft das Gefühl: Ich kann mit mir allein nichts anfangen“, aber es bedeutet nicht: „In mir ist nichts mehr“, es bedeutet eher: Ich habe kaum erfahren dürfen, wer ich bin, wenn niemand etwas von mir braucht und nichts geleistet werden muss

  49. Nummer 49:

    Manchmal kommt eine Enttäuschung nicht, weil du grundsätzlich zu viel erwartest, möglicherweise hast du Gegenseitigkeit und Tiefe von Menschen erwartet, die sie einfach nicht geben können

  50. Nummer 50:

    Manchmal kommt eine Enttäuschung nicht, weil du grundsätzlich zu viel erwartest, möglicherweise hast du bei Menschen um dich herum zu lange an ihrem potentiellen, statt an ihrem tatsächlichen Wesen festgehalten

  51. Nummer 51:

    Ein berechtigtes Bedürfnis wird nicht dadurch erwartend überhöht, dass der falsche Mensch es nicht erfüllt, trotzdem täuscht man sich über den anderen und erlebt das Ende dieser Täuschung

  52. Nummer 52:

    Bei vielen Heilern kann man nicht direkt sagen, dass „zu viel“ erwartet wird, aber es geschieht evtl. Folgendes: Du gibst Verbindlichkeit, Tiefe, Loyalität und Verantwortung auf einem ungewöhnlich hohen Niveau und gehst davon aus, dass andere das Wesen dieser Gabe erkennen und anerkennen

  53. Nummer 53:

    Bei vielen Heilern kann man nicht direkt sagen, dass „zu viel“ erwartet wird, aber es geschieht möglicherweise Folgendes: Du siehst häufig das Potenzial eines Menschen und behandelst ihn bereits so, als würde er dieses Potenzial zuverlässig verwirklichen, was er aber eben nicht tut

Ein Sternbild aus goldenen und blauen Punkten, durch feine Linien verbunden
  1. Nummer 54:

    Bei vielen Heilern kann man nicht direkt sagen, dass „zu viel“ erwartet wird, aber es geschieht möglicherweise Folgendes: Durch deine Helfer-, Leiter- und Versorgerrolle begegnest du überproportional vielen Menschen, die etwas von dir brauchen, aber nicht unbedingt denen, die dich auf gleicher Höhe tragen können

  2. Nummer 55:

    Deine Tiefe ist oft gar nicht der Fehler, sie braucht nur Menschen, deren tatsächliche Tragfähigkeit zu ihr passt, sowie Grenzen, die Dich vor dauernder Einseitigkeit schützen

  3. Nummer 56:

    Arten der Enttäuschung und was sie von dir verlangen: Ein Versprechen wird gebrochen, also zeige Konsequenz und Grenzen

  4. Nummer 57:

    Arten der Enttäuschung und was sie von dir verlangen: Eine Erwartung wurde nie ausgesprochen, also treffe klare Vereinbarungen

  5. Nummer 58:

    Arten der Enttäuschung und was sie von dir verlangen: Du vertraust auf mögliches Potenzial, das nie gelebt wird, dann orientiere dich nur noch am tatsächlichen Verhalten

  6. Nummer 59:

    Arten der Enttäuschung und was sie von dir verlangen: Grundwerte unterscheiden sich, dann leiste Auswahl statt Überzeugungsarbeit und löse dich von

  7. Nummer 60:

    Arten der Enttäuschung und was sie von dir verlangen: Jemand nimmt dauerhaft mehr, als er gibt, dann begrenze den Zugang zu Dir

  8. Nummer 61:

    Problematisch wird Enttäuschung erst, wenn man nach der Erkenntnis weiterhin so investiert, als sei die Vorstellung noch wahr

  9. Nummer 62:

    Heiler und Weise können hervorragend geben, tragen und in Sinn verwandeln, aber Genuss bedeutet auch Empfangen, ohne dafür etwas leisten zu müssen, wie bei der Gnade als unverdiente Liebe oder Zuwendung

  10. Nummer 63:

    Kein Inkarnierter kann mehr geben, als er empfängt, aber wer immer und gern gibt und keinen adäquaten Ausgleich erfährt, dem wird ein solches Empfangen über die Zeit fremd

  11. Nummer 64:

    Anhedonie ist nicht lebensmüde oder undankbar, sondern manchmal schlichtweg müde von wiederholter menschlicher Enttäuschung

  12. Nummer 65:

    Ständige Enttäuschungen können Freude dämpfen: Wenn das Innere wiederholt erlebt, dass Hoffnung in Belastung endet, beginnt es, Erwartungen und Vorfreude vorsorglich herunterzufahren

  13. Nummer 66:

    Vielleicht lautet die tiefere Frage nicht: „Warum enttäuschen mich alle?“, sondern: „Warum erhalten Menschen bei mir immer wieder mehr Vertrauen, Verantwortung oder Hoffnung, als ihr bisheriges Verhalten trägt?

  14. Nummer 67:

    Dankbarkeit und Freudlosigkeit können durchaus gleichzeitig bestehen, denn Dankbarkeit ist eine innere Haltung, Freude eine emotionale Reaktion

  15. Nummer 68:

    Wenn die Genussfähigkeit erschöpft ist, fühlt sich auch ein Hobby nur wie eine weitere Aufgabe an

  16. Nummer 69:

    Frage dich zunächst nicht: „Was macht mir Spaß?“, das ist momentan vielleicht zu groß, frage eher: „Wobei fühle ich mich für zehn Minuten ein wenig weniger leer, angespannt oder verpflichtet?

  17. Nummer 70:

    Musik, Wärme, Haustiere, ein langsamer Spaziergang, gutes Essen, Berührung, Natur oder einfach stilles Sitzen bei einem vertrauten Menschen können helfen, denn Freude kehrt oft nicht als Begeisterung zurück, sondern zunächst als Momente kaum merklichen Aufatmens

  18. Nummer 71:

    Die Lösung bei Ent-Täuschungen von Heilern ist nicht, weniger tief zu lieben oder anspruchslos zu werden, sondern: Nicht weniger erwarten, aber später vertrauen, genauer auswählen und früher auf wiederholtes Verhalten reagieren

  19. Nummer 72:

    Menschen sollten Zugang zu deiner Zeit, Kraft, Verantwortung und Nähe stufenweise erhalten, denn nicht ihre Worte, Not oder Möglichkeiten entscheiden darüber, sondern ihre Beständigkeit, Gegenseitigkeit, Verantwortungsfähigkeit und ihr Verhalten

  20. Nummer 73:

    Die Fähigkeit, Sachrespekt und Würderespekt zu erkennen und ins Handeln zu implementieren, das ist mehr als soziale Feinfühligkeit: Sie ist eine grundlegende Berufs-, Rollen- und Beziehungskompetenz und zugleich ein Schutz vor Machtmissbrauch

  21. Nummer 74:

    Je größer die Deutungs-, Bewertungs- oder Beziehungsmacht eines Menschen, desto strenger muss er unterscheiden: Sachrespekt ist abhängig von Richtigkeit, Kompetenz und Gültigkeit

  22. Nummer 75:

    Je größer die Deutungs-, Bewertungs- oder Beziehungsmacht eines Menschen, desto strenger muss er unterscheiden: Beziehungsrespekt ist abhängig von Vertrauen, Verlässlichkeit, Verhalten und Reziprozität

  23. Nummer 76:

    Je größer die Deutungs-, Bewertungs- oder Beziehungsmacht eines Menschen, desto strenger muss er unterscheiden: Würderespekt ist unverlierbar und niemals leistungsabhängig

  24. Nummer 77:

    Ein Lehrer darf eine Antwort oder Verhalten als falsch beurteilen, aber kein minderwertiges Kind erschaffen

  25. Nummer 78:

    Ein Heiler darf ein schädliches Muster erkennen, aber keinen defekten oder schuldigen Menschen daraus machen

  26. Nummer 79:

    Eine Gesellschaft kann Behinderungen bei Mitmenschen feststellen, aber keine minderwertigen Behinderten erschaffen

  27. Nummer 80:

    Ein Partner darf Vertrauen verlieren, Grenzen setzen oder gehen, aber ohne dem anderen seine Menschenwürde abzusprechen

  28. Nummer 81:

    Wahre Autorität hält ihr Urteil auf der Ebene, für die sie zuständig ist, und die Würde über jeder Ebene unversehrt

  29. Nummer 82:

    Fehler gehören zum Handeln dazu, wie der sog. Tod zum Leben, die Würde jedenfalls gehört genauso zum Sein

  30. Nummer 83:

    Ein Bedürfnis ist noch keine Forderung

  31. Nummer 84:

    Eine Erwartung ist noch keine Vereinbarung

  32. Nummer 85:

    Werteverschiedenheit ist noch kein Disrespekt

  33. Nummer 86:

    Eine Grenze ist nicht notwendig Trennung, sondern zunächst die Form oder Kondition, unter der Beziehung wahrhaftig bleiben kann

  34. Nummer 87:

    Fehlerhaftes Handeln darf Sachrespekt, Vertrauen und Beziehungsqualität mindern, kein Fehler macht jedoch das Sein eines Menschen minderwertig

  35. Nummer 88:

    Konsequenz ohne Entwürdigung ist die Verbindung von Wahrheit und Würde

  36. Nummer 89:

    Das Paradoxum im Wort „Gegen-Seitigkeit“: Das Wort trägt „gegen“, also ein Sprachelement, das wir gewöhnlich mit Widerstand, Gegnerschaft und Gegeneinander verbinden, dabei bezeichnet „Gegenseitigkeit“ gerade keine Gegnerschaft, sondern eine wechselseitige Verbindung

  37. Nummer 90:

    Das „Gegen“ in der Gegen-Seitigkeit bezeichnet nicht den Gegner, sondern als „gegenüber“ die räumliche Verortung des Anderen

  38. Nummer 91:

    Der andere steht mir gegenüber, weil er nicht ich ist, er bleibt eine eigene Seite, denn erst dadurch kann er mit mir überhaupt kommunizieren

  39. Nummer 92:

    Ohne Verschiedenheit gäbe es keine Gegen-Seitigkeit, sondern nur Gleichheit, Verschmelzung oder Selbstbegegnung

  40. Nummer 93:

    In der Amorologie ist klar: Das Gegenüber ist nicht schon deshalb ein Gegner, weil es eine andere Seite verkörpert

  41. Nummer 94:

    Das sprachliche Paradoxum Gegen-Seitig offenbart eine Beziehungsentscheidung: Der Mensch kann dualitär das Gegenüber zum Gegner erklären oder als eigenständigen, polaritär einbezogenen Reflektions-Pol anerkennen

  42. Nummer 95:

    Erst der Bindestrich macht die verborgene Struktur sichtbar, denn Gegen- heisst: Es gibt ein wirkliches Gegenüber und Seite: Beide besitzen eine eigene Position, Würde, Grenze und Wirklichkeit

  43. Nummer 96:

    So wirkt Gegen-Seitigkeit: Beide Seiten bleiben unterscheidbar und beziehen sich dennoch aufeinander

  44. Nummer 97:

    Polarität hebt die Seiten nicht auf, aber sie verbindet sie trotz und gerade ihrer Unterschiedenheit

  45. Nummer 98:

    Reziprozität bedeutet nicht, dass beide dasselbe, gleichzeitig oder in gleicher Menge sein oder geben müssen, Menschen verfügen über verschiedene Energien, Möglichkeiten und Ausdrucksformen

  46. Nummer 99:

    Gleichwertigkeit verlangt keine übereinstimmende Gleichmenge, deren Schnittmenge ist jedenfalls Respekt

  47. Nummer 100:

    Reziprozität zählt nicht gleiche Gaben, sondern erkennt, ob Beziehung in beide Richtungen angemessen lebt

  48. Nummer 101:

    In einer Beziehung gibt der eine vielleicht Zeit, der andere Schutz; der eine Wissen, der andere Fürsorge; der eine Geld, der andere verlässliche Anwesenheit usw., Handlung und Haltung sind in Beziehungen keine Währung, sondern gelebte Reziprozität

  49. Nummer 102:

    Reziprozität ist Berücksichtigung, nicht Abrechnung, denn Gegen-Seitigkeit darf nicht zur versteckten Buchhaltung werden: „Ich habe dieses gegeben, deshalb schuldest du mir genau jenes.

  50. Nummer 103:

    Eine freie Gabe darf ohne unmittelbare Gegengabe bleiben, aber eine Beziehung, die sich als verbindliches Wir versteht, kann nicht dauerhaft davon leben, dass nur einer gibt, trägt, erklärt, toleriert, organisiert, finanziert, verzichtet, verzeiht und den nächsten Schritt hervorbringt

  51. Nummer 104:

    Der Konflikt liegt nicht in der Beziehung an sich, sondern in der einseitigen statt reziproken Art und Qualität gemeinsamen Seins, Handelns und Wirkens

  52. Nummer 105:

    Ein Wir, das nur einer bewegt, ist ein Ich ohne gelebte Gegen-Seitigkeit im Gewand des behaupteten Wirs

Ein Band aus goldenem und blauem Licht, zu einer Schleife gewunden
  1. Nummer 106:

    Wo nur einer gibt, trägt er bald nicht mehr nur die Last, sondern auch die ganze Beziehung selbst

  2. Nummer 107:

    Die Erschöpfung in einer einseitigen Beziehung entsteht nicht allein aus der Menge des Gebens, sie entsteht daraus, dass das Geben keine Gegenseitigkeit aus Anerkennung, Respekt, Dank, Würdigung etc. erfährt

  3. Nummer 108:

    In der Amorologie ist Gegen-Seitigkeit die in Liebe verbindende Berücksichtigung, gepaart mit dem Willen und der Bereitschaft, das Gemeinsame zu er-schaffen

  4. Nummer 109:

    Liebe ohne Berücksichtigung kann zur einseitigen Hingabe werden und Wille ohne Liebe zur Forderung und Durchsetzung, erst beide gemeinsam begründen tragfähige Reziprozität

  5. Nummer 110:

    Wo Berücksichtigung dauerhaft ausbleibt, muss nicht die Liebe enden, wohl aber wird die bisherige Beziehungsform ihre Wahrheit verlieren

  6. Nummer 111:

    Ein Wir, das nur einer trägt, ist seinem Anspruch nach gemeinsam, in seiner Wirklichkeit aber einseitig

  7. Nummer 112:

    In der Amorologie bekommt das Wort Arroganz eine tiefere Bedeutung, denn es führt über lateinisch arrogantia zu adrogare, gebildet aus ad=aus, auf und rogare=fragen oder bitten, also auf Nachfrage und zunächst nicht als imponierter Anspruch des Sich-Selbst-Zuschreibens oder Anmaßens

  8. Nummer 113:

    Arroganz war anfänglich noch die Frage, die sich bereits im eigenen Sinne beantwortet hat und den anderen nur noch zur Zustimmung benötigt

  9. Nummer 114:

    Eine wirkliche Frage lässt die Antwort frei und eine wirkliche Bitte lässt ein Nein zu, da, wo Antwort, Zustimmung, Anerkennung, Zugang oder Unterordnung schon als geschuldet gelten, wird aus dem Fragen ein eigenmächtiges Beanspruchen

  10. Nummer 115:

    In der Amorologie ist Arroganz eine innere Haltung oder äußere Verhaltensweise, in der ein Mensch, eine Gruppe, Institution oder Lehre sich ohne ausreichende Legitimation ein Mehr an Rang, Wert, Wissen, Deutungshoheit, Recht, Ausnahme, Zugang oder Verfügung zuschreibt und dadurch Würde, Freiheit, Grenze oder Eigenständigkeit des Gegenübers mindert

  11. Nummer 116:

    Arroganz ist damit nicht einfach ein „hohes Selbstbild“, sie ist eine relationale Rangverformung: Ein wirklicher oder eingebildeter Unterschied wird unterstellt, aus diesem Unterschied wird eine höhere Stellung abgeleitet, daraus wird ein Mehr-Recht beansprucht und das Gegenüber dadurch einem „Darunter“ zugewiesen

  12. Nummer 117:

    Ein Sach-, Leistungs- oder Rollen-Rangunterschied ist noch keine Arroganz, so kann ein Arzt fachlich mehr wissen, eine Leitung mehr entscheiden und ein Lehrer mehr Erfahrung besitzen, Arroganz beginnt, wenn dieses sachliche oder funktionale Mehr in ein menschliches Mehr-Wert-Sein oder in ein unbegrenztes Verfügungsrecht über andere umgedeutet wird

  13. Nummer 118:

    Die Amorologie erfordert wissenschaftlich die nähere Begriffsklärung im heutigen Sprachgebrauch, der Arroganz als Anmaßung, Hochmut oder Überheblichkeit und etwas für sich einfordern oder verlangen lässt, das einem eigentlich nicht zusteht, was eine Grenzüberschreitung darstellt, und so Grenzen vertiefen oder erst entstehen lässt

  14. Nummer 119:

    Amorologische Begriffsklärung: Anmaßung = Das unberechtigte Beanspruchen eines Rechts oder einer Stellung

  15. Nummer 120:

    Amorologische Begriffsklärung: Hochmut = Die innere Einordnung des eigenen Selbst über andere

  16. Nummer 121:

    Amorologische Begriffsklärung: Überheblichkeit = Das Phänomen der Selbsterhöhung

  17. Nummer 122:

    Amorologische Begriffsklärung: Herablassung = Die Behandlung des anderen aus dem behaupteten „Oben

  18. Nummer 123:

    Amorologische Begriffsklärung: Arroganz = Das Gesamtmuster aus illegitimer Beanspruchung, Selbsterhöhung und relationaler Herabsetzung

  19. Nummer 124:

    Das Arroganz-Grenzparadoxum: Arroganz überschreitet Grenzen und erschafft dadurch stärkere neue und zugleich mehr Distanz

  20. Nummer 125:

    Wer sich unberechtigt Nähe, Zugang, Zustimmung, Antwort oder Verfügung aneignet, ruft häufig gerade jene stärkere Schutzgrenzen hervor, die anschließend vom Intrusor als Ablehnung oder Kränkung erlebt wird, denn Arroganz überschreitet zunächst die Grenze des anderen und beklagt danach die Grenze, die zum Schutz notwendig geworden ist

  21. Nummer 126:

    Arroganz verformt Reziprozität: Sie erwartet Antwort, ohne selbst rechenschaftspflichtig sein zu wollen

  22. Nummer 127:

    Arroganz verformt Reziprozität: Sie verlangt Anerkennung, ohne die andere Seite anzuerkennen

  23. Nummer 128:

    Arroganz verformt Reziprozität: Sie verteilt Pflichten nach außen und Ausnahmen nach innen

  24. Nummer 129:

    Arroganz verformt Reziprozität: Sie behandelt Widerspruch als Respektlosigkeit

  25. Nummer 130:

    Arroganz verformt Reziprozität: Sie verwechselt freiwillige Anerkennung mit geschuldeter Unterordnung

  26. Nummer 131:

    Arroganz hat sichtbare und verborgene Formen, sie muss nicht laut sein, sie kann auch höflich, gebildet, hilfreich, moralisch oder spirituell auftreten

  27. Nummer 132:

    Facharroganz macht aus Kompetenz eine Deutungshoheit über den ganzen Menschen oder Systeme

  28. Nummer 133:

    Moralische Arroganz macht aus einem Maßstab einen abgeleiteten Beweis und damit Anspruch eigener Höherwertigkeit

  29. Nummer 134:

    Helfer-Arroganz macht aus Unterstützung ein Recht zur Entmündigung

  30. Nummer 135:

    Institutionelle Arroganz macht aus Amt, Besitz oder Erfolg eine Ausnahme von Rechenschaft

  31. Nummer 136:

    Spirituelle Arroganz verwechselt empfangene Erkenntnis mit persönlicher Unfehlbarkeit oder Eigentum an Der QUELLE

  32. Nummer 137:

    In der Amorologie ist Demut weder Selbstzweifel noch Selbstverkleinerung, sie ist hier wahrheitsfähige Selbstkenntnis

  33. Nummer 138:

    Demut sagt in der Amorologie: Ich kenne meinen Wert

  34. Nummer 139:

    Demut sagt in der Amorologie: Ich erkenne meine Gabe

  35. Nummer 140:

    Demut sagt in der Amorologie: Ich übernehme meine Verantwortung

  36. Nummer 141:

    Demut sagt in der Amorologie: Ich kenne meine Grenzen

  37. Nummer 142:

    Demut sagt in der Amorologie: Ich bleibe korrigierbar

  38. Nummer 143:

    Demut sagt in der Amorologie: Ich benötige keine herabgesetzte Würde des anderen, um meine eigene Würde zu bewahren

  39. Nummer 144:

    Arroganz ist nicht das Wissen um ein Mehr, sondern die Anmaßung eines Mehr-Rechts aus einem illusorischen Mehr-Empfindungs-Anspruch

  40. Nummer 145:

    Demut macht den Menschen nicht kleiner, sie beendet nur seinen Anspruch, größer sein zu müssen als ein anderer

  41. Nummer 146:

    Vermeidung zeigt sich dort, wo Angst dich von einer wichtigen Handlung trennt

  42. Nummer 147:

    Frage dich in Ruhe nicht nur, was zu tun ist, frage, was du gerade vermeidest zu tun beim Tun

  43. Nummer 148:

    Vermeidung verbirgt sich selten im Stillstand, sie trägt oft das Gewand emsiger Geschäftigkeit

  44. Nummer 149:

    Wenn plötzlich Nebensächliches wichtig erscheint, dann ist es meist die Tarnung dessen, was schon lange wirklich wichtiger wäre

  45. Nummer 150:

    Selbstüberwindung heißt nicht, dich selbst innerlich kämpfend zu besiegen, sondern den Widerstand zu überwinden, der dich von deinem eigentlichen Willen trennt

  46. Nummer 151:

    Mut beginnt nicht dort, wo Angst endet, sondern dort, wo Wahrheit trotz Angst Handlung wird

  47. Nummer 152:

    Oft hält nicht das ganze Leben dich auf, sondern eine einzige ungeklärte Stelle

  48. Nummer 153:

    Der Flaschenhals deiner Aufschieberei ist klein im Raum aber groß in seiner Wirkung

  49. Nummer 154:

    Die Engstelle auf deinem Weg ist nicht sein Ende, sondern nur sein nächster, schmaler Durchgang

  50. Nummer 155:

    Vermeidung ist nicht notwendigerweise auch Feigheit, manchmal wahrt sie eine notwendige Grenze, erst Weisheit unterscheidet Schutz von Flucht

  51. Nummer 156:

    Der kleinste wahrhaftige Schritt kann größer wirken als die längste Absicht

  52. Nummer 157:

    Freiheit wächst, wo Erkenntnis, Wille, Wort und Handlung wieder zusammenfinden

  53. Nummer 158:

    Nicht das ganze Leben verlangt auf einmal Mut, manchmal wartet nur die eine Engstelle auf den einen befreienden Schritt